Notstand der Menschlichkeit

07.07.2019

Pressemitteilung Aufstehen gegen Rassismus Essen, 07.07.2019

Notstand der Menschlichkeit

Hunderte Essener fordern Solidarität mit Geflüchteten und Seenotrettern

Am gestrigen Samstag haben über 200 Menschen unter dem Motto „Notstand der Menschlichkeit“ auf dem Essener Kennedyplatz für das Recht auf Flucht, Solidarität mit geflüchteten Menschen und gegen die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung protestiert. Aufgerufen hatten über 20 Essener Gruppen und Initiativen. Bundesweit gingen zeitgleich rund 45.000 Menschen in über 90 Städten auf die Straßen.

„Carola Rackete, die Kapitänin der Seawatch 3 machte das einzig richtige. Sie rettete Leben, bewies Haltung und verteidigte die Menschenrechte. Das können und müssen wir auch tun und deshalb sind wir hier heute in Essen auf der Straße“, wurde in einem Redebeitrag der Essener Seebrücke zu Beginn klargestellt. Der Redner kritisierte zudem die Bundesregierung für die jüngsten Asylrechtsverschärfungen und forderte die Stadt Essen auf, zum „Sicheren Hafen“ für geflüchtete Menschen zu werden. In einer Audiobotschaft sprach auch Carola Rackete: „Seenotrettung kennt keine Grenzen, genauso wenig wie unsere Solidarität.“ Sie sprach über ihre Festnahme und forderte die Aufnahme der Geretteten, die gerade noch auf dem Mittelmeer treiben. Es würden gerade nicht viele Menschen über das Mittelmeer kommen. „Wenn man dafür keine Lösung finden kann als eines der reichsten und größten Länder der EU, dann ist das wirklich beschämend. Die Verantwortungslosigkeit der europäischen Staaten hat mich gezwungen so zu handeln, wie ich es getan habe, einen Job zu machen, den eigentlich die Staaten machen sollten.“

Es sprach auch Marion Greve, die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises. Seenotrettung sei kein Verbrechen, sondern eine humanitäre und christliche Pflicht. „Wer gerade dabei ist zu ertrinken, der ist doch weder Flüchtling noch Migrant, der ist doch weder Afrikaner noch Europäer, weder Muslim noch Christ, sondern der ist ein Mensch, der gerade dabei ist zu ertrinken und man muss alles unternehmen, um ihn zu retten.“

Im Redebeitrag von „Aufstehen gegen Rassismus“ wurde die Wichtigkeit betont, sich gerade in Zeiten gesellschaftlicher Normalisierung von Rassismus und Faschismus nicht einschüchtern zu lassen und gemeinsam Zeichen zu setzen. „Wenn es normal wird, dass Menschen wegen ihrer Religion, wegen ihrer Hautfarbe, wegen ihrer politischen Gesinnung oder wegen ihrer sexuellen Orientierung angegriffen werden, dann müssen wir uns dem in den Weg stellen und Widerstand leisten. Wenn Gesetze geschaffen werden, die das Retten von Menschen unter Strafe zu stellen versuchen, dann müssen wir diese Gesetze brechen.“

Die bundesweiten Proteste wurden durch die Seebrücke initiiert. In Essen wurden sie in Kooperation mit dem lokalen Ableger von „Aufstehen gegen Rassismus“ organisiert. Aufgerufen haben über 20 verschiedene Organisationen, darunter die Kirchen, der DGB und das antifaschistische Bündnis „Essen stellt sich quer“.

„Unser Kampf geht weiter. Die überwältigende Solidarität, die heute in Essen und in den vielen anderen deutschen Städten bekundet wurde, motiviert uns, weiter für die Rechte Geflüchteter einzustehen“, so die Organisatoren der „Seebrücke Essen“ und von „Aufstehen gegen Rassismus Essen“ abschließend.